Die Bilder oben zeigen von li. nach re.: Das Hüttenkrankenhaus, Carl Röchling, Hermann Röchling, das Stahlwerk v. 1928
Die Geschichte des Krankenhauses und der Stahlwerke Röchling aufzuschreiben, zu erzählen, kann nur beinhalten, dass man diesem Krankenhaus eine besondere Bedeutung zumisst, sei sie persönlicher, lokaler oder überregionaler Art. Auch Krankenhäuser haben nun mal eine erzählbare Geschichte , zumal dann, wenn sie sich in einer Region entwickeln, die selbst eine geschichtliche Dimension besitzt. Dies trifft in besonderem Maße auf die hier zu besprechende Region, das Industrieland Saarland, das hier zu besprechende Krankenhaus und die wechselseitige Beziehung von lokaler und Hospitalentwicklung zu.
Worum geht es?
Es geht um das frühere Völklinger Hüttenkrankenhaus, das, wie der Name schon sagt, eigentlich ein Betriebskrankenhaus der hier Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Erzverhüttungsanlage „Röchlingsche Eisen und Stahlwerke – RESW“ war. 1873 entstand diese Hütte, ging in Konkurs und die Reste wurden 1881 an einen Saarbrücker Kaufmann namens Carl Röchling verkauft.
Diese Eisenwerke, die die Familie Röchling zu einem der wichtigsten Stahlstandorte Deutschlands ausbaute, hatten neben den Hütten in Sulzbach und Saarbrücken (Stumm-Halberg) eine große wirtschaftliche Bedeutung über die Region hinaus. Damals war das Saarland mit Lothringen eine begehrte Industrielandschaft…
Die Führungsriege war im Dritten Reich stark als Rüstungsbetrieb engagiert und man kann ausdrücklich festhalten: Hermann Röchling war Nazi. Daher muss eine historische Darstellung des Krankenhauses auch diese „gemeinsamen“ Aspekte einschließlich der Zwangsarbeiter-Verwendung berücksichtigen. Man kann das alles gut in der Chronologie des ehemaligen Konzerns und
dessen Entwicklung zum Weltkulturerbe – „Geschichte der Völklinger Hütte“ – nachlesen. Es gab auch den Mord an Carl Theodor Röchling (Sohn des Hermann R.) und seinem Begleiter Oberingenieur Heinrich Koch durch zwei russische Zwangsarbeiter 1944, es gab die erste und zweite Stahlkrise (1945 und 1976) und sehr viel Fusionen der saarländischen Hütten, bis dann das jetzige Erinnerungszentrum der ehemaligen RESW als Weltkulturerbe entstand – auch eine historische Entwicklung, die aber hier nicht den ihr gebührenden Platz finden kann.
Dabei wird man mehrere Phasen dieser Entwicklung unterscheiden müssen, denn die Spanne der Ereignisse ist groß. Sie reicht von der Hütten-Krankenhaus-Phase (1899 bis 1947) über die Phase des Kreiskrankenhauses (Grundversorgung; bis 1977), dem Fachkrankenhaus (ab 1977) bis zum medizinischen Hochleistungszentrum unserer Tage, dem Herzzentrum Saar (ab 1991). Das ist in der Zeitachse übersichtlich dargestellt. Das Hütten-Krankenhaus diente der medizinischen Versorgung der Arbeiter und Angestellten – und ihrer Angehörigen. Sie war nur denkbar sowohl im Rahmen der Bismarckschen Sozialgesetzgebung des Kaiserreiches und der lokalen Bedürfnisse der Hütte, die sehr autoritär von Carl Röchling geleitet wurden, der insbesondere die aufkommende Sozialdemokratie für das mit allen Mitteln zu bekämpfende Gift der Gesellschaft hielt, auch um den Preis einer medizinischen Grundversorgung, die keineswegs uneigennützig war. Verletzungen – auch schwere – und chronische Krankheiten der Lunge waren hier sehr häufig; Arbeitsschutz gab es nicht.
Heute ist das Saarland mit sinkenden Einwohnerzahlen ein überalterter Bundesstaat mit vielen gesundheitlichen Folgen (Herz- und Lungenkrankheiten) für Einwohner und Arbeitende.
Auch aus diesen Gründen ist das Herzzentrum Saar – ehemals Hüttenkrankenhaus – ein unverzichtbarer Bestandteil der saarländischen Gesundheitsversorgung, doch es ist – auch deshalb – nicht unumstritten! Es gibt inzwischen eine Vielzahl von konkurrierenden “Zentren”, die dem Herzzentrum seinen Ruf als medizinisches Hochleistungszentrum streitig machen wollen.
Geschichte der Völklinger Hütte (Weltkulturerbe-Chronologie)



