September 5, 2026

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Der Mord an Carl Theodor Röchling und Heinrich Koch

Am 17. Dezember 1944 befanden sich Röchling und Koch auf einem Inspektionsgang durch das Hüttenwerk. Beide Männer verschwanden spurlos und wurden zehn Tage später auf dem Werksgelände erschossen aufgefunden.

Jahrzehntelang kursierten zwei gegensätzliche Versionen über die Tat. Nach dem Krieg verbreitete der Unternehmerclan die Legende, ein Killerkommando der Gestapo habe den Juniorchef liquidiert. Dies diente auch dazu, das Ansehen der Familie reinzuwaschen und die Opferrolle zu beanspruchen.

Carl Theodor Röchling
Heinrich Koch
Matrjonka Kalita, Überlebende

Die Historikerin Dr. Inge Plettenberg konnte den Fall nach über 70 Jahren durch akribische Recherchen und die Aussage einer überlebenden Zeugin (einer ehemaligen sowjetischen Zwangsarbeiterin Karlita) im Jahr 2021 endgültig aufklären:

  • Die tatsächlichen Schützen: Es handelte sich um die beiden sowjetischen Zwangsarbeiter Nikolaj Bonka und Wassilij Djatschenko. Auch eine Frau mit Kind (Vater Bonka) war in dem Bereich. Sie üblebte.
  • Das Interview von Plettenberg mit Matrjona Kalita:
    Die 90-jährige Kalita wohnte in Sankt Petersburg. „Sie war eine alte Frau, aber ungeheuer präsent. Sie wirkte geradezu erleichtert, dass sie mal erzählen konnte“, erinnert sich die Historikerin Plettenberg. Kalita wurde im Krieg aus der Ukraine gepresst und landete als Zwangsarbeiterin im Saarland. An der Drehbank bei den „Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken“ baute sie Waffen und schlief in großen Lagern. Wegen einer Kleinigkeit landete sie im Straflager Etzenhofen und schuftete 12 Stunden lang in der Kokerei. Bei einem Arbeitsunfall verlor sie einen Finger.
  • Ende 1944 wurde die Völklinger Hütte stillgelegt und Kalita tauchte unter. Am 17. Dezember versteckte sie sich mit einer anderen Zwangsarbeiterin und ihrem Kind auf dem Fabrikgelände. Nikolaj Bonka war der Vater des Kindes. Und als Röchling und Koch an der Schwellenadjustage auftauchten, drückten er und Djatschenko ab. Kalita erinnert sich, dass einer der beiden Deutschen noch nicht tot war. „Wenn ihr mich verschont, dann fliege ich euch in eure Heimat“ soll Carl Theodor Röchling versprochen haben, bevor er starb.
  • Das Motiv: Es war kein politisch gesteuerter Auftragsmord der Gestapo. Die Schüsse fielen im Kontext der brutalen Bedingungen und der Verzweiflung im damaligen Zwangsarbeiterlager des Werks.
  • Das Ende der Täter: Die beiden Männer wurden kurz nach der Tat von den NS-Behörden gefasst, verurteilt und hingerichtet.